Konstruktionen (1) – Kirchen und Tempel

In mühevoller Kleinarbeit und mit viel Zeitaufwand kann man auch in Bryce 3D (dem Programm fehlt leider bisher ein vernünftiger Objekteditor) sehr komplexe Objekte konstruieren. Booleansche Operationen und Gruppierung von Objekten erleichtern einem dabei ganz erheblich die Arbeiten. Dabei sind der gestalterischen Freiheit (fast) keine Grenzen gesetzt; von Hochhäusern über Kirchen bis hin zu Brückenkonstruktionen und ganzen Städten ist alles möglich, was der Hauptspeicher (128 MB sollten es dann schon sein) hergibt !

Byzantinisches Langhaus Der Blick vom Innenraum der Kathedrale auf die Fensterrosette. Das gesamte Bauwerk ist mit byzantinischen roten Marmor ausgeleidet und die 32 Säulen münden in eine echte Gewölbekonstruktion aus 128 Hochbögen. Hier ist leider nur ein kleiner Teil der gesamten Anlage zu sehen. Dies ist mein bisher größtes VR-Projekt; es besteht aus über 34 Mio Polygonen und frißt mal eben 124 Megabyte von meiner Festplatte……

Um dieses Bild (Original 1024×768) zu rendern benötigt ein Pentium 400 Mhz ganze 60 Stunden und über 16 Billionen Rechenoperationen.

Das Fenster zum LichtHier kann man durch eine grüne Rosette in das Innere einer Kathedrale blicken….

Gerne hätte ich für dieses Bild auch noch etwas Volumetrik eingesetzt, aber das würde selbst auf meiner Renderfarm eine Woche Renderzeit beanspruchen. Obwohl es eher unscheinbar wirkt, so sind doch weit mehr als 10.000 Milliarden Rechenoperationen für das Bild in Originalgröße notwendig gewesen.

Romanischer Kirchenbau (hier noch in der Konstruktionsphase)Um zu sehen, wie ein Bauwerk später einmal wirkt, sollte man immer wieder zwischendurch einige Blicke darauf werfen. Dies ist die oben gezeigte Kirche noch ohne Gewölbe, Türme und Dach.
Klassizistischer InnenraumEine Eigenkreation ohne jedes Vorbild aus der Realität – auch hier wieder Volumetrik zur Verschönerung der Gesamtansicht.
Stadtsaal des Renaissance Rathauses “Il Capitole” in Santa ViaponteDer (mobiliarlose) große Festsaal in dem Gebäude von 1504 wird durch 17m hohe Marmorsäulen gestützt, die die originale, hölzerne Kassettendecke tragen. Das Holzbebälk der Deckenkonstruktion ist typisch für Bauwerke in Oberitalien zu dieser Zeit.
Die 37 Megabyte große Datei (1740 Bauteile) kann vom Bryce Renderer noch recht zügig verarbeitet werden, so daß (außer beim Speichern!) keine allzulangen Wartezeiten entstehen.
St. Apollinare – Italienische Barockkirche im Stil des späten 17. Jhdt.Typisch für diese Zeit sind die mannigfaltigen Zitate der klassischen Stilelemente aus der Antike, vermischt mit “moderner” Barockkomposition. Dem Bauwerk liegt ein regelmäßiger octogonaler Riß zugrunde, der ebenfalls typisch für diese Zeit und ihrer Auffassung für Kirchenbau ist. Der Zentralbau wird von 8 Portalen umrahmt, die an Eingäng zu griechischen Tempel erinnern sollen.Unter der Kuppel erstreckt sich ein auf Säulen ruhendes Bogengewölbe, das hier von Aussen nicht sichtbar ist.
(Die Konstruktion benötigt 47 Megabyte und besteht aus 3455 Teilen)
Saint-Benoit-sur-Loire (Loiret)Der Innenraum dieser ehemaligen Abteikirche gehört wohl zu meinen bisher “besten Werken” in Bryce. Hier legte ich besonderen Wert (wie auch beim Pantheon in der Galerie 11) auf Detailtreue, auch wenn dabei der Hauptspeicher meiner Rechenanlage (4 mal 256 MB) bis an seine Grenzen ausgereizt wurde. Das 1070/80 bis Mitte des 12. Jhdt. errichtete Bauwerk wird von einem großen Tonnengewölbe überspannt, welches auf den zwei jeweils 27m hohen Obergadenwänden ruht. Die 12 verschiedenen Texturen der Wände habe ich aus einem Buch abgescannt und sie dann auf die Objekte in Bryce 4 kopiert. Das wirkt echter, als die mathematischen Texturen, die in der Datenbank vorhanden sind….!

Die Szene beschreibt nur den Innenraum der Kirche denn Außenanlagen hätten den Speicher vollkommen gesprengt. (12.450 Teile mit 277 Megabyte Plattenspeicher; Renderzeit für die Originalszene (800*800) auf einem Athlon 600 Mhz: 43 Minuten)

Ars RomanicaEine fiktive dreischiffige Basilika im romainschen Baustill, deren Hauptschiff von einem großen Tonnengewölbe überspannt, und deren Apsis von einer Kuppel überdeckt wurde.
Gotisches KirchengewölbeVorlage für diese Ansicht eines frühgothischen Kreuzgradgewölbes war die Dominikanerkirche von Toulouse (ca. 1385 erbaut). Die hochstrebenden Gewölbe bestehen aus hunderten von Einzelnen Steinen, die in eine booleansche Gruppe münden, die wie ein echtes Gewölbe wirkt. Ohne die booleanschen Operationen, die Bryce bietet, wäre diese Art der Konstruktion nahezu unmöglich zu realisieren gewesen, denn ein Objekteditor fehlt den Programm bekanntlich noch.

(Ausschnitt: ca. 1600 Teile, Gesamtszene 10956 Teile, 141 MB. Renderzeit auf AMD K7-ATHLON/650 ca. 37 Minuten)

Kuppelgalerie La Tulièrre (1901) in NancyDiese große Rundkirche (Rotunde) wird über ihrer Galerie von einer großen gläserenen Kuppel überspannt, die erste Verzierungen im Jugendstil aufweist. Der zylindrische Innenraum entstand 1878-1879 und mündet in eine alles umspannende klassizistische Hochgalerie. Die stahlträgergestützte Kuppelkonstruktion wurde erst 1901 anstelle des alten Dachgewölbes errrichtet, hat 28m Durchmesser und erstreckt sich an ihrer Spitze in eine Höhe von 38m. Das Bauwerk diente zuerst als Repräsentationsbau, wurde dann aber 1947 in eine öffentliche Bibliothek umgewandelt.